Veröffentlicht in Allgemein, Erkältungswelle, Kinder

Die Erkältungszeit geht so langsam wieder los

 

Ich hole meine Tochter aus dem Kindergarten ab, und merke sofort, dass Etwas nicht stimmt. Dieser Gesichtsausdruck, diese glasigen Augen, die roten Bäckchen. Mama, ich habe solche Kopfschmerzen und Husten und Schnupfen. In mir macht sich sofort eine gewisse Unruhe breit. Denn ich weiß, wie meine nächsten Tage und Nächte aussehen. Sie wird hoch Fiebern und bei jedem Zäpfchen und Nasentropfen einen irren Aufstand machen. Ein Arztbesuch grenzt für sie an einen Weltuntergang. Unser ehemaliger Kinderarzt hat da gute Arbeit geleistet und das Kind total verschreckt.

Immer wieder ermahne ich sie. Geh nicht so dicht an deinen Bruder ran! Steck ihn nicht an! Nein, du musst ihm jetzt nicht unbedingt ein Küsschen geben. Obwohl ich weiß, dass die Weichen doch schon längst gestellt sind. Auch unser Kleiner hat sich schon angesteckt. Es ist nur die Frage. Wer steckt sich am schnellsten an? Mama oder Bruder? Meistens schaffen wir es zeitgleich. Während ich so vor mich hin kränkele und Erkältungsmedikamente in mich hineinstopfe, um bloß nicht auszufallen, erwischt es den Kleinen richtig. Er nimmt gerne eine spastische Bronchitis und Mandelentzündung gleich mit. Das bedeutet Antibiotika für mindestens eine Woche und Inhalieren bis zu vier Mal am Tag. Meist schauen wir noch beim Kinderärztlichen Notdienst am Wochenende vorbei. Das sind dann nochmal schlappe 70 Kilometer, die man noch zusätzlich verfährt. Etliche Arztbesuche und durchwachte Nächte später, ist auch er wieder fit.

Ach so, meine Erkältung, heilt auch irgendwann aus, ohne Arztbesuch natürlich. Dafür fehlt die Zeit. Alles ist nur auf die Arztbesuche und das Gesundwerden des Kleinen konzentriert.

Im Kindergarten grassiert eine ansteckende Krankheit nach der Nächsten. Nicht nur die üblichen Erkältungskrankheiten. Im Angebot sind Scharlach, Bindehautentzündung und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit.

Unterhält man sich mit anderen Müttern, kommen dann so Kommentare wie:

„Na, hat es euch auch erwischt?“

„Ist der Kleine schon wieder krank? Ihr habt aber auch ein Pech!“ (Augen roll)

So manches Mal wäre ich gerne dezent ausgerastet und hätte diesen  Müttern zugerufen. „Ja, wer hat denn sein Kind in den Kindergarten gesteckt, obwohl es krank ist? War das nicht gerade dein Kind, dem der grüne Schnodder weit aus der Nase hing? Ja, das war deine.“ (Augen roll, roll)

 

Ich weiß, dass einer berufstätigen Mutter nur 10 Krankheitstage pro Jahr zustehen. Und ich weiß, dass das viel zu wenig ist. Und wenn man keine Großeltern in Stand-by hat, ist das einfach nicht zu schaffen.

Aber man sollte keinen Job dieser Welt über die Gesundheit des eigenen Kindes stellen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Mütter ihre Kinder morgens mit Fieberzäpfchen aufputschen und, wenn sie mittags ein (wieder)fieberndes abholen, ganz erstaunt sind. Die Bundesregierung muss da dran arbeiten und die Krankheitstage erhöhen. Aber unsere Familienministerin, die selber Mutter ist, hat wohl wichtigere Dinge zu tun. Die hat aber auch bestimmt ein Kindermädchen angestellt, die sich um die Kinder kümmert. Damit Mami arbeiten kann. Aber so gut haben es nur die Wenigsten.

Es ist immer ein großer Spagat für die Mütter. Und ich glaube wohl, dass es vielen Müttern sehr schwer fällt ihre eigentlich kranken Kinder in den Kindergarten zu bringen. Und man kann halt auch den Kleinen schlecht erklären, dass sie jetzt bis zum Ende des Jahres nicht mehr krank werden dürfen, weil die Krankheitstage aufgebraucht sind.

Als ich mein Kind nach überstandener und ausgeheilter Erkältung wieder in den Kindergarten bringe, wäre ich am liebsten auf dem Absatz wieder umgekehrt. Im Eingang hing ein Schild:

 

Wir haben Kopfläuse im Kindergarten

 

Liebe Leserinnen und liebe Leser geht es Euch genauso oder so ähnlich? Wie geht Ihr mit diesen vielen Erkrankungen Eurer Kinder um?

Wie schützt Ihr Eure Kinder? Wer hat Geheimtipps?

Und Hand aufs Herz!!!! Wer hat sein Kind schon mal trotz Fieber in den Kindergarten geschickt, weil es unmöglich war auf der Arbeit zu fehlen?

 

Advertisements

Autor:

Ich lebe mit meinem Mann und den beiden Kindern (5 und 2 Jahre) auf dem platten Land, kurz vor dem Moor (echt jetzt) in Niedersachsen. Zu unserer Familie gehören noch unser Hund Charlie und unsere Ersatz-Großeltern.

6 Kommentare zu „Die Erkältungszeit geht so langsam wieder los

  1. Ich gestehe. Ich. Ich musste morgens beruflich ins Ausland fliegen. Es konnte niemand für mich einspringen. Der Flug war seit Wochen gebucht. Und nachts fing das Kind an zu fiebern. Mein Mann hatte genau den Vormittag ein Vorstellungsgespräch. DAS Vorstellungsgespräch. Im Sekretariat war niemand zu erreichen. Nachts um 3 umzubuchen geht auch nicht, vor allem, wenn ein ganzes Werk auf dein Erscheinen wartet.
    Mir ist übrigens immer noch übel, wenn ich daran denke. Aber den einen Tag ging es nicht anders. Der Anruf kam nach dem Mittagsschlaf, mein Mann ist nach dem Vorstellungsgespräch hin und ist den nächsten Tag mit ihm zu Hause geblieben. Ich war ja 1000de Kilometer weg und trotzdem mit den Gedanken beim Sohnemann.
    Oma 1 wohnt 120km entfernt und ist selbst berufstätig. Oma 2 ist 80 km entfernt und zeigt keinerlei Interesse an Kind. Da konnte auch keiner einspringen.
    Mittlerweile ist es aber tatsächlich so, dass ich meistens einen Tag später auch flach liege und MICH dann krankschreiben lasse. Das geht aber auch nur, weil meine Kinder meist nach 2-3 Tagen wieder fit sind und ich seit 18 Jahren im selben Großunternehmen arbeite. Alleinerziehend mit wackeligem Job mag ich mir das nicht ausmalen.

    Gefällt mir

    1. Das ist echt mutig von dir, das zu „gestehen“. Wie kann man unter so einem Druck, mit so einem schlechten Gewissen, dann noch arbeiten? Das war wohl echt ein ziemlicher Ausnahmezustand. Da wollte ich nicht mit dir tauschen. Danke für deinen Beitrag

      Gefällt mir

  2. Mir graut es schon davor… denn meine Kleine kommt jetzt im Sommer in den Kindergarten. Es ist echt nicht leicht Job und Kind unter einen Hut zu bekommen, wenn das Kind dann auch noch krank wird, friert die Hölle zu.
    Diese 10 Tage, die man bekommen kann, sind eindeutig zu wenig, wenn ich überlege, wie lange meine Kleine nun schon mit einem Magen-Darm Infekt kämpft. Die Tage sind futsch und ich bin selbst krank. Es muss sich einiges in diesem Land ändern, vor allem in den Bereichen, in denen es um uns Mütter und unsere Kinder geht.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s