Veröffentlicht in Allgemein, Kinder

Fass mein Kind nicht noch einmal an

  

Mein Sohn, zwei Jahre alt und ich, genießen die gemeinsame Zeit, bis er in den Kindergarten kommt, noch in vollen Zügen. Wir sind oft unterwegs und das macht uns beiden Spaß. In dem Laden, in dem wir meist die Lebensmittel kaufen, kennt uns schon jeder. Was auch daran liegt, dass mein Kleiner jeden, aber auch wirklich jeden, freudig begrüßt.

So auch an diesem Tag. Er saß freudig lächelnd und grüßend im Einkaufswagen, bekam beim Bäcker ein kleines Brötchen geschenkt und in der Fleischabteilung eine Scheibe Wurst. Lief soweit ganz gut.

In der Zeitschriftenabteilung blätterte ich ein paar Zeitschriften durch, während Sohnemann seine Finger in den Mund steckte. Ein paar Zähnchen machten ihm wohl noch zu schaffen. Ich fand das nicht weiter schlimm, er war trotz allem gut drauf.

Plötzlich kam eine völlig fremde Frau auf uns zugestürmt. Brüllte meinen Jungen an:

 „Nimm doch die Finger aus den Mund. Die schmecken doch gar nicht!“

 Mein Junge und ich, wir erschraken fürchterlich. Dann fasste diese Person nach den Fingern meines Sohnes und versuchte die aus seinem Mund zu reißen. Ich war noch in einer völligen Schockstarre, mein Junge auch. Der Kleine fing fürchterlich an zu weinen. Ich riss an der Hand der Frau und schrie sie an:

„Lassen Sie meinen Jungen los! Was fällt Ihnen ein?“

Die Frau ließ meinen Jungen los und nahm sich eine Zeitschrift in der sie herumblätterte. Sie sagte kein Wort der Entschuldigung. Sie sagte gar nichts. Sie blätterte nur. Mein Junge weinte noch immer. Glücklicherweise konnte ich ihn schnell beruhigen und ich hoffte, dass er das alles schnell vergessen würde.

Ich schaute diese Frau immer noch fassungslos an. War das eben gerade wirklich passiert? Die Frau brachte mein Kind zum Weinen und jetzt blätterte sie, als wäre nichts geschehen, in einer Zeitschrift rum.  Ich drehte noch ein paar Runden in dem Laden, bevor wir an die Kasse gingen. Ich musste mich beruhigen. 

An der Kasse packte ich die Waren aufs Band, schob den Einkaufswagen durch die Kasse, und packte die Waren in den Einkaufswagen zurück. Und plötzlich kam diese fürchterliche Person wieder an. Sie ging auf meinen Jungen zu und wollte ihn wieder anfassen. Aber da hatte sie die Rechnung ohne mich gemacht. In Sekundenbruchteilen schwoll meine Halsschlagader rechts an. Das passiert normalerweise nur, wenn ich mich richtig mit meinem Mann streite. Ich riss ihre Drecksfinger von den Händen meines Sohnes weg. Die Finger hatte er übrigens da auch gar nicht im Mund. Und schrie diese Frau ziemlich laut an:

„Lassen Sie verdammt nochmal mein Kind los! Was wollen Sie denn noch? Einmal haben Sie es schon zum Weinen gebracht. Haben Sie noch nicht genug? Hauen, Sie ab! Verdammt nochmal!“

Die Frau, die meiner Meinung nach mindestens ein psychisches, wenn nicht sogar ein Alkohol-Problem hat, sagte wieder kein Wort und schob ab.

Meinen Kleinen hatte sie diesmal nicht zum Weinen gebracht, er war nur ein bisschen erschrocken, weil ich so ausgetickt war.

Die anderen Kunden an den Kassen und an der Bäckerei hatten alles mitbekommen. Ich hatte ja auch laut genug geschrien. Was die jetzt über mich dachten, war mir egal.

Die Kassiererin an meiner Kasse schaute mich erschrocken an. Sie kannte mich ja bisher nur als nette und geduldige Kundin.

Sie fragte mich: „Was ist denn um Gottes Willen passiert?“

Ich erzählte ihr den Vorfall von der Zeitschriftenabteilung und wie sehr ich es hasse, wenn man mein Kind einfach anfasst.

Mit einem sehr verständnisvollen Blick sagte sie: „Dass der Kleine geweint hat, habe ich gehört. Und das kann ich auch verstehen, man kann doch nicht einfach ein fremdes Kind anfassen.“ Okay, die Frau hatte wenigstens Verständnis für mich.

Jetzt war der Zeitpunkt des Bezahlens dran, ich wollte mit Karte bezahlen. Ich war immer noch komplett aufgewühlt, ich zitterte vor Wut. Und ich konnte mich nicht mehr an die Geheimnummer meiner, auch noch neuen, EC-Karte erinnern. Ich musste nachdenken, wie war doch noch meine Eselsbrücke? Die Frau an der Kasse hatte Geduld mit mir. Jetzt wusste ich die Nummer wieder. Alles klappte. Ich verabschiedete mich freundlich und beim Hinausgehen hielt ich Ausschau nach der Psycho-Tante. Entdecken konnte ich sie leider nicht. Sie hatte sich verkrochen. Am Auto desinfizierte ich erstmal unsere Hände. So langsam beruhigte ich mich wieder. Mein Kleiner hatte das alles wohl unbeschadet überstanden, er grüßte schon wieder die Leute.

 Dieser Vorfall ist schon ein paar Wochen her, aber es berührt mich immer noch.

Ich kann einfach nicht verstehen, wie man ein wildfremdes Kind anschreien und anfassen kann. Das würde ich mir noch nicht einmal bei dem Kind meiner Freundin erlauben.

Was weiß ich, wo die vorher ihre Finger hatte?

Oder habe ich einfach komplett über reagiert?

Ist jemanden von euch so etwas auch schon mal passiert? Wie habt ihr reagiert?

Für mich steht fest:

 

Fasst die noch einmal mein Kind an, breche ich ihr die Finger

 

Autor:

Ich lebe mit meinem Mann und den beiden Kindern (5 und 2 Jahre) auf dem platten Land, kurz vor dem Moor (echt jetzt) in Niedersachsen. Zu unserer Familie gehören noch unser Hund Charlie und unsere Ersatz-Großeltern.

15 Kommentare zu „Fass mein Kind nicht noch einmal an

  1. Wie übel ist das denn, was ihr beiden da erleben musstet? Ich hab, als ich das gelesen habe, auch richtig Wut bekommen.

    Ich finde toll, richtig und mutig von dir, dass Du so reagiert hast. Ich wünsche mir, dass ich genau so reagieren kann, falls uns so was mal passiert.
    Was wollte die denn schon wieder von Deinem Kleinen?

    Ich hoffe, dass Du diese Person nie mehr wiedersehen musst.

    Ganz viele Grüße mit ebenfalls Wut im Bauch

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    1. Liebe Sandy, ich weiß auch nicht was deren Problem ist. Dieses Anfassen und Anbrüllen und dann dieses irre Verhalten von der. rast mein Herz gleich wieder. Ich hab die aber auch angefaucht.
      Danke für deine lieben Worte.

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  2. An deiner Stelle wäre ich auch ‚ausgetickt‘!!!! Ich finde es schon schlimm genug wie viele Menschen einem immer ihr ‚guten Ratschläge‘ aufdrücken müssen oder halb in den Kinderwagen kriechen, um das Baby genau anzugucken… Aber kein/e Fremde/r darf mein Kind einfach so anfassen, und ein derart übergriffiges Verhalten würde ich nicht mal Freunden durchgehen lassen!

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  3. Du hast definitiv nicht überreagiert, ich hätte viel heftiger reagiert.
    Für manche gelten leider Kinder und Schwangere als Streichelzoo und es wird ordentlich zugelangt.
    Ich habe es selbst auch erlebt und auch mal jemandem auf die Hand geschlagen, der es nicht verstehen wollte.
    Bei meinem Sohn lasse ich es auch nicht zu, dass ihn jemand ungefragt anfasst.
    Zum Glück bin ich so einer krassen Person wie in Deinem Bericht noch nicht begegnet …
    …zu ihrem Glück ; o)

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      1. Also ich hab das auch schon erlebt. Mein Mann und ich waren mal shoppen. Er stand mit unserem Sohn draußen und ich war in einem Laden. Als ich raus kam, stand eine völlig fremde Frau dort und tatschte an meinem Sohn rum, im Gesicht und sie ging auch richtig nah mit ihrem Gesicht an seins. Mein Mann stand dabei und ließ es zu. Ich dachte, er kennt die Frau und darum wollte ich nicht unhöflich sein, obwohl es mir überhaupt nicht recht war. Wir gingen dann weiter. Ich fragte meinen Mann dann, wer das denn war. Und als er allen Ernstes sagte, er wisse es nicht, war ich kurz davor zu explodieren. Wir hatten einen riesen Krach. Ich war echt fassungslos, das er das einfach zugelassen hat, zumal er die Frau ja überhaupt nicht kannte. Für einen Bekannten wäre es schon grenzwertig gewesen, für einen Fremden ein absolutes No-Go.
        Ich kann total verstehen, dass du so reagiert hast. Ich hätte genauso reagiert. Sowas geht überhaupt nicht. Und das wissen normal gepolte Menschen auch.

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      2. Entschuldige meine späte Antwort, ich war ans Bett gefesselt. Krasse Geschichte von dir. Man traut sich erst was zu sagen, wenn an das schon so oft erlebt hat. Glaub mir. Danke für deinen Beitrag

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  4. Oh man ich verstehe dich so gut .
    Habe es auch mal erlebt .
    Leider war ich so in einer schockstarre das ich erst als die Dame weg war realisiert habe was da passiert ist.

    Wir standen in der Schlange beim Bäcker. Mein Sohn war etwas über ein Jahr alt . Er quitschte vor lauter Aufregung und Vorfreude auf das Brötchen sehr laut .
    Auf einmal kam eine ältere Dame, haute meinem Sohn auf die Finger und sagte: “ ich habe ein trommelfell. “

    Wir waren wie erstarrt . Und dann war sie auch schon weg .

    Ich hätte ihr so gerne die Meinung gesagt aber ich war einfach zu baff. Es ging alles so schnell.

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  5. Du hast völlig richtig reagiert, ich hätte es nicht anders gemacht. Niemand, außer meine Familie und ein paar sehr gute Freunde fasst ungefragt mein Kind an. Ich weiß nicht ob ich mich bei der zweiten Situation so gut beherrscht hätte wie du, du hast die Frau nur angeschrien.

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