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Der Moro-Reflex

Unsere Tochter entwickelte mit knapp einem Jahr eine heftige Fremdelphase. Nun ja wir dachten, dass das normal ist und wieder vorbeigeht. Aber es ging nicht vorbei.

Es wurde eigentlich immer schlimmer. Von Jahr zu Jahr wurde es immer schlimmer. Selbst wenn die Großeltern oder andere ihr vertraute Personen kamen, dann versteckte sie sich mindestens eine halbe Stunde auf meinem Arm und vergrub ihren Kopf in meiner Schulter. Sie krampfte sich komplett an mir fest, wenn ich versuchte sie irgendwie umzudrehen. Immer wieder das gleiche Spiel, bei jedem Besuch.

Mit Fremden sprach sie überhaupt nicht.

Da hieß es dann: „Ach, die braucht ja auch nicht mit mir sprechen, sie kennt mich ja nicht“.

Und: “Ist ja auch nicht schlimm, dann geht sie wenigstens nicht mit Fremden mit“.

Oh, Mann was für hilfreiche und geistreiche Kommentare. Wenn ihr eh keine Antwort erwartet habt, dann sprecht doch mein Kind gar nicht erst an. Und glaubt ihr wirklich, dass Kinder die offener sind, gleich mit Fremden mitgehen? Unglaublich!

Auch bekam sie oft Wutausbrüche. Aber das konnte auch mit der Trotzphase zusammenhängen.

Sie fiel oft hin. Die Knie waren ständig blau. Auch fiel sie dabei oft aufs Kinn, ein Wunder, dass die Zähne heil geblieben sind.

Jede Veränderung im Tagesablauf unserer Tochter konnte sie aus dem Gleichgewicht bringen. Im Kindergarten fiel das nicht so sehr auf, aber immer mal wieder.

 

Bei einem Entwicklungsgespräch mit ihren Erzieherinnen fiel dann das Wort, das so vieles erklärte: Moro-Reflex. Die Erzieherin empfahl mir eine Therapeutin, die sich, wenn es sich um eine Restreaktion des Moro-Reflexes handelt, gut auskannte.

Ich hatte noch nie von einem Moro-Reflex gehört. Noch nicht abgebauter Moro-Reflex, was heißt das?

Zu Hause schaute ich mir den Flyer dieser Therapeutin an. Ich erschrak: sie ist eine Diplom-Behinderten-Pädagogin? Da sollte ich mit meiner Tochter hin? Sie ist doch nicht behindert!

Ich googelte den Moro-Reflex, bzw. die Restreaktion und deren Auswirkungen.

Ich fasse ungefähr hundert Seiten Internet mal kurz zusammen:

Der Moro-Reflex ist ein überlebenswichtiger Reflex für Säuglinge, der sich im 3.-4. Lebensmonat verliert.  An dieses Zusammenzucken bei ihrem kleinen Bruder konnte ich mich noch gut erinnern. Kinder mit Restreaktionen fallen öfters aufs Knie oder schlagen mit dem Kinn auf. Die Kinder brauchen einen geregelten Tagesablauf, alles Neue oder Unbekannte zerstört das erforderliche Maß an Sicherheit. Sie neigen zu Überreaktionen, wie der Rückzug bei scheinbar nichtigen Anlässen.

Ein Satz, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist:

 

Die Kinder entwickeln Strategien, um sich zu schützen.

 

Plötzlich verstand ich meine Tochter. Jetzt wurde mir so vieles klar. Ich rief bei der Therapeutin an und machte einen Termin aus. Glücklicherweise war die Wartezeit nicht allzu lang. Ich war froh, dass ich einen Termin bekommen hatte, denn ich wusste, es gab nicht viele die sich damit auskannten.

 

Sehr nervös fuhren wir zur Therapeutin. Die war total nett und sympathisch. Ich sagte kaum etwas. Unsere Tochter sagte wie immer nichts. Sie sollte einfach nur spielen und die Therapeutin schaute ihr dabei zu. Nach einer knappen Stunde spielen, fuhren wir wieder nach Hause. Wir vereinbarten am nächsten Tag zu telefonieren.

Wir telefonierten am nächsten Morgen eine dreiviertel Stunde. Name und Alter unserer Tochter war ihr als einziges bekannt. Aber in dieser „Spielstunde“ hatte sie sie genau beobachtet und „erklärte“ mir unsere Tochter. Die Therapeutin hielt es auch für eine Restreaktion vom Moro-Reflex. Die Einschätzung des Charakters, die Verhaltensweisen und das Rückzugsverhalten, das war ganz genau unsere Tochter.

Becken und Halswirbelsäule waren noch nicht richtig ausgerichtet. All das kann zu Problemen führen, die man so gar nicht vermuten mag.

Sie erklärte mir aber auch, dass unsere Tochter einfach nicht anders konnte. Dass der Dickkopf immer versuchen müsste, alles zu regeln, damit bloß nichts Unvorhergesehenes passiert.

Mir liefen die Tränen die ganze Zeit übers Gesicht. Teilweise vor Erleichterung und vor Wut auf mich.

Erleichterung einerseits, weil ich endlich einen Namen für dieses Verhalten bekam. Die Therapeutin versicherte mir, dass es aber keine besorgniserregende Form sei und wir das hundertprozentig in den Griff bekommen würden.

   Wut auf mich, weil ich jetzt wusste, dass sie sich nicht einfach nur dumm verhielt, sondern sie nicht anders konnte und ich sie immer so unter Druck gesetzt hatte. Ich fühlte mich schlecht und gleichzeitig erleichtert.

 

Die Behandlung war glücklicherweise eine sehr einfache. Wir bekamen Turnübungen mit, die nicht länger als fünf Minuten Zeit kosteten. Die turnten wir jeden Abend. Erst war ich skeptisch, aber im Laufe der Zeit bemerkte ich Veränderungen bei ihr. Auch sie selber bemerkte die. Natürlich ging das nicht von jetzt auf gleich. Wir turnten mit Unterbrechungen so ungefähr ein Jahr, die Therapeutin sahen wir alle sechs bis acht Wochen. Bei jedem Fortschritt wurden die Übungen verändert oder ausgetauscht. Bei unserem letzten Besuch dort, sah ich die Fortschritte am deutlichsten. Ich war so mega stolz auf diesen kleinen Dickkopf.

Natürlich habe ich dadurch nicht eine komplett neue Tochter bekommen. Dass sie immer ein schüchterner zurückhaltender Mensch bleiben wird, das ist wohl klar. Aber sie geht jetzt deutlich offener und entspannter durch die Welt. Sie kann mit Besuch gut umgehen. Sie spricht auch mal mit Menschen, die sie nicht so gut kennt. Wir sind auf einen sehr guten Weg!

 

Bedanken möchte ich mich bei der Erzieherin unserer Tochter, die erst alles ins Rollen gebracht hat. Danke schön.

Und da mir jetzt schon wieder die Tränen sturzflutartig laufen, merke ich wie sehr mich das immer noch bewegt.

 

Bedanken möchte ich mich bei der Therapeutin, die einen wirklich sehr guten Job gemacht hat. Merci.

 

Und zu guter Letzt, möchte ich mich bei unserer Tochter bedanken. Für die gute Mitarbeit, auch wenn es manchmal schwerfiel. Und Danke, dass du so ein großartiger Mensch bist. Ich liebe Dich

 

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Abenteuer Schwangerschaft

 

Im Dezember stellte er die entscheidende Frage. Die Frage aller Fragen. Okay, es war jetzt nicht so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich sage mal so viel, es waren kein Schimmel und keine Rosenblätter im Spiel. Trotzdem sagte ich sofort ja.

Da ich auch schon über 30 war, tickte meine biologische Uhr immer lauter. Kinder, ja da waren wir uns sicher, die wollten wir auf alle Fälle. Ich setzte die Pille ab und das Abenteuer Schwangerschaft begann.

Ich las mich im erstmal Internet schlau. Aha, fruchtbare Tage auf die kommt es an. Ich hatte all dieses, vor lange Zeit in meiner Ausbildung gelernt, aber wieder vergessen. Was es alles im Internet gibt. Man kann sich seine fruchtbaren Tage für den jeweiligen Monat ausrechnen lassen. Wie praktisch. Ich druckte mir erstmal die nächsten drei Monate aus. Wie lange dauert es eigentlich bis man schwanger wird? Da musste ich doch mal wieder das Internet befragen. So richtig schlau machte mich das auch nicht. Kann sofort klappen oder ewig dauern, oder es klappt gar nicht. Gut, nicht verrückt machen lassen. Aber ich nehme auf alle Fälle schon mal diese Folsäure ein. Kann man nie früh genug mit anfangen und schaden tun die ja auch nicht.

Erster Monat: Nix. Hatte mir eingebildet, dass es schnell klappen würde. 

Zweiter Monat: Mir ist so schlecht. War eine Magen-Darm-Grippe.

Dritter, Vierter und Fünfter Monat: Nix.

Sechster Monat: Jetzt fand unsere Hochzeit statt.  Nee, da machte ich mir keine Illusionen. Da sind wir eh total im Vorbereitungsstress. Das klappt nicht. Und siehe da: 14 Tage nach der Hochzeit, bin ich ein paar Tage drüber und wir machen den Test zusammen. Bingo!!! Schwanger!!!!

Und jetzt? Damit hatte ich ja gar nicht gerechnet, irgendwie kommt das jetzt überraschend. Okay, Nerven zusammennehmen.

Was liegt an? Was muss ich jetzt als erstes machen?

Als erstes einen Termin beim Frauenarzt ausmachen. Nur das „fleißige“ Bienchen am Telefon war unbeeindruckt davon, dass ich schwanger war und gab mir erst einen Termin in 14 Tagen!!!! Danke. Was sollte ich bis dahin machen? Wir hatten auch noch Urlaub und ziemlich viel Zeit. Es dauerte ewig, bis der Tag endlich da war. Nervös saß ich im Wartezimmer meines Frauenarztes. Meinen Mann hatte ich vorsichtshalber in den Media-Markt geschickt. Erstens sitzt er nicht so gerne im Wartezimmer eines Frauenarztes und zweitens hätte er mich nur noch nervöser gemacht.

Meinem Frauenarzt erklärte ich, dass ich jetzt schon ewige Zeiten überfällig wäre und mein Schwangerschafts-Test positiv ausgefallen sei.  Er grinste nur und meinte, dann sollten wir wohl mal einen Ultraschall machen. Er grinste nochmal währenddessen und gab mir das erste Foto meines Kindes.

Stolz halte ich dann meinem Mann das Ultraschallbild unter die Nase. Man konnte zwar nur einen undefinierbaren schwarzen Fleck erkennen, aber für uns war es das pure Glück.

Bei näherer Betrachtung bildete mein Mann sich ein, dass er zwei kleine Ärmchen sah. Ich hielt ihm das Bild richtig herum hin und er konnte angeblich zwei kleine Beinchen sehen. Ja nee is klar. Man wird auch so kitschig, wenn man diese Bildchen sieht. Da kann man sich gar nicht vorstellen, dass da ein kleiner Mensch in einem heranwächst. 

Es lag noch ein langer Weg vor uns. Ich war ja gerade mal in der sechsten Woche. Die ersten 12 Wochen sind die gefährlichsten. Die Gefahr einer Fehlgeburt am höchsten. Aber meinen Arbeitgeber musste ich informieren. Da ich in einem Krankenhaus arbeitete, war das wegen der Ansteckungsgefahr unumgänglich. Ich durfte kein Blut mehr abnehmen. Danach wusste es die ganze Klinik.

Die Übelkeit hatte mich voll im Griff. Ich verabschiedete mich für ganze vier Wochen von der Arbeit. Übrigens Morgenübelkeit ist nicht der richtige Ausdruck. Bei mir war das eher eine Ganztagsübelkeit die auch über Nacht blieb und beim Zähneputzen und üblen Gerüchen sofort Brechreiz auslöste.

Nichts half mir. Keine Tabletten, keine Infusionen. Ich sollte viel liegen und mich ausruhen. Zu mehr war ich auch nicht in der Lage. Die Toilette wurde zu meinem besten Freund. Der einzigen, der das so richtig gefiel, war unsere Hündin. Ich war den ganzen zu Hause und sie lag schnarchend neben dem Sofa. Ich meist leise schnarchend oder lesend auf dem Sofa.

Als die Übelkeit in Woche 13 nachließ, machte ich drei Kreuze. Jetzt konnten wir auch langsam von unserem Geheimnis erzählen. Aber meine tolle Schwiegermutter, die wir vorher eingeweiht hatten, hatte schon die Neuigkeiten verbreitet. Obwohl wir sie gebeten hatten, nichts zu erzählen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte sie es gar nicht erfahren. Aber sie ist nun mal die Mutter meines Mannes……. Nun ja, das ist ein anderes Thema.

 

So langsam sah man mir dann auch die Schwangerschaft an. Ich wurde runder. Ich liebte es Schwangerschaftssachen zu kaufen. Es war so schön. Natürlich kaufte ich auch schon ein paar Babysachen. Da konnte ich mich wirklich nicht zurückhalten. Ich sage nur so viel, es war ziemlich viel rosa dabei. 

 

Das Arbeiten fiel mir immer schwerer. Immer wieder bekam ich in Stresssituationen Bauchschmerzen. Und das meist schon am frühen Morgen.

In der 20. SSW war es besonders schlimm. Als ich zum Arzt ging, stellte er vorzeitige Wehen fest.  Er schrieb mich sofort krank. Ab jetzt war nur noch Schongang angesagt. Stress vermeiden, viel Schlafen und es sich gut gehen lassen. Ich nahm dann mal vorsichtshalber Kontakt zu meiner Hebamme auf. Sie kam auch gleich am nächsten Tag vorbei. Sie hat viele gute Tipps und kleine Mittelchen für mich und ich sah die ganze Sache schon etwas entspannter. Sie beruhigte mich ungemein. Das half mir sehr. Danke nochmals, Kerstin.

Sechs Wochen später bekam ich ein Beschäftigungsverbot. Es hatte auch keinen Sinn, nochmal in die Klinik zurückzukehren.

Die weitere Schwangerschaft war ein ständiges Auf und Ab. Körperlich ging es mir gut. Der Bauch wuchs weiter. Ich fühlte mich gut. Mein Frauenarzt kontrollierte mich engmaschig. Immer mal wieder waren „Aussetzer“ im CTG. Dann war wieder alles in Ordnung. Aber das Baby entwickelte sich gut und das war die Hauptsache.

Der Bauch wuchs immer weiter. Brav ging ich zum Geburtsvorbereitungskurs meiner Hebamme. Ich erfuhr Dinge, die ich gar nicht so genau wissen wollte. Oje, die Geburt kann aber heftig werden, wurde mir so langsam klar. Gut irgendwie schaffe ich das auch. Haben vor mir ja auch schon ein paar Leute geschafft.

Ich erreichte die 40. SSW. Es war echt mühsam. Meine Füße konnte ich schon lange nicht mehr sehen. Stand ich auf der Waage, musste ich meinen Mann rufen, damit er mir sagte, wieviel ich wog. Ich war bereit, eigentlich schon seit vier Wochen. Ich wollte und konnte nicht mehr.

Am Morgen des errechneten Termins hatten wir einen Kontrolltermin beim Frauenarzt. Die ganze Nacht war schlecht, ich war zigmal zur Toilette gerannt. Mir war schlecht. Geschlafen hatte ich kaum. Ich war einfach nur fertig und bereit endlich mein Baby zu bekommen.  Der Frauenarzt aber meinte ich hätte keine Wehen. Alles gut, bis in 3 Tagen. Er machte noch Scherze, ich konnte irgendwie nicht drüber lachen.

Als wir wieder zu Hause waren tröpfelte meine Fruchtblase. Telefonat mit meiner Hebamme. Sie sagte, dass wir sofort in die Klinik fahren sollten.

Als wir in der Klinik ankommen war ich völlig fertig. Ich heulte nur noch. Eine unfreundliche Hebamme empfing uns. Ich konnte gar nicht sprechen. Mein Mann erklärt der Hebamme was war. Ihre schnippische Antwort:

„Sie bekommen, ein Baby, das ist doch kein Grund zum Weinen.“

Wieviel Fingerspitzengefühl diese Frau hatte, unglaublich. Wenn ich ihr noch einmal nichtschwanger begegnen würde, kriegte sie eine ans Maul, nehme ich mir damals vor. 

Wir kamen in den Kreißsaal zu einer freundlicheren Hebamme. Erstmal folgte die Routine, CTG, der Arzt wurde verständigt. Der übliche Ultraschall wurde gemacht.  Plötzlich ging alles ganz schnell, der Oberarzt kam dazu. Das CTG wäre nicht in Ordnung, das Baby zu klein und schwach. Irgendetwas stimmte mit ihrer Harnblase nicht. Sofortiger Kaiserschnitt. Wir willigten ein. Im OP empfing man mich freundlich. Ich war total überrumpelt. Ich wusste gar nicht was mit mir geschah. Meinem Mann ging es genauso. Das war das Gute dran, wir hatten kaum Zeit, Angst zu haben.

Während der Narkoseeinleitung ging mein Blutdruck plötzlich flöten. Der Anästhesist hatte aber alles im Griff. Er gab mir Sauerstoff über eine Maske, ich bekam Platzangst. Dass mein Mann inzwischen auch im OP angekommen war, hatte ich überhaupt nicht mitbekommen. Ich bat ihn, mich von dieser Maske zu befreien, aber er verstand kein Wort. Irgendwann hatte der Anästhesist Mitleid, und befreite ich. Ich stabilisierte mich und der Kaiserschnitt konnte beginnen. 

Während der OP fragte der Gynäkologe plötzlich: Was erwartet ihr denn? Ein Mädchen oder einen Jungen

Und ich ganz stolz: Ein Mädchen

Dann meinte er: „Und wenn ich da jetzt einen Jungen raushole, was ist dann?“

Oh, oh! Sah der gerade mehr? Er hatte ja jetzt den besten Blick.

Meine Antwort: „Dann muss da jemand verdammt lange rosa tragen“.

Der ganze OP lachte.

Das war der Moment, auf den der Gynäkologe gewartet hatte. Eine kleine Ablenkung für mich, damit ich das Rumpeln nicht so merkte. Unsere kleine Maus war geboren.

Der Gynäkologe ganz trocken: „Nee, ist schon ein Mädchen.“

Sie kam sofort zur Kinderärztin. Schneller Check. Alles gut. Unser Mädchen war putzmunter und kerngesund. Wir waren sehr erleichtert. Und so glücklich. Selbst meinem Mann kamen die Tränen. Das hatte ich bei ihm noch nie gesehen.

Dann sah ich sie ganz kurz. Meine Tochter. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Es folgte wieder die Routine. Ich wurde zugenäht, mein Mann war die ganze Zeit bei unserer Tochter, das beruhigte mich.

Nach schier endlosen Minuten des Wartens kam ich in den Kreißsaal zurück, wo mein Mann, meine Tochter und die Hebamme schon auf mich warteten, Ich war so komplett fertig, die Hebamme stellte die Kleine im Wärmebettchen an mein Bett ran. Jetzt konnten wir uns richtig beschnuppern. Eine ganz wertvolle, intensive Zeit. Mein Mann machte einige Fotos davon, die schaue ich mir immer noch sehr gerne an. Die Hebamme gab uns viel Zeit, das war sehr wichtig.

Wir sind so froh und dankbar, dass unsere Tochter gesund auf die Welt gekommen ist, dass alles nur falscher Alarm gewesen ist. Aber wir haben auch verdammt viel Glück gehabt, dass alles zum Guten verlaufen ist.

 

Die ersten Wochen mit Kind waren sehr turbulent, und für uns stand schnell fest: Es bleibt beim Einzelkind.

Diese Unsicherheit, ob man alles richtig macht. Die „gut gemeinten“ Ratschläge von allen Seiten, um die wir gar nicht gebeten hatten. Diese Phase machen wohl alle Jung-Eltern durch.

Dazu kam der Schlafentzug, der ganz andere Tagesrhythmus das setzte uns sehr zu.

Aber unsere Tochter gab uns so viel Liebe, Wärme und Glück zurück. So stolz können nur Eltern sein.

 

 

Lest auch. Meine zweite Schwangerschaft. Egal was es wird, Hauptsache gesund.

 

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade von Nicht noch ein Frauenblog. Vielen Dank das ich dabei sein darf

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Wie gestalte ich unser Wochenende, so das wirklich Alle zufrieden sind?

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade von Andrea

Zu unserer Familie gehören neben meinem Mann, unsere beiden Kinder die fünf und zwei Jahre alt sind. Die drei alle gleich zufrieden zu stellen ist beinahe unmöglich. Aber an diesem Wochenende versuchen wir es.

 

Heute ist Samstag, die Nacht hatte -4°C. Am Tage ist es auch nicht viel wärmer, da fällt ein Freibadbesuch schon mal aus. Okay, Scherz beiseite.

 

Den Vormittag verbringen wir folgendermaßen:

Mein Mann arbeitet in seiner Werkstatt. Mein Mann ist selbständig. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Er arbeitet selbst und ständig. Und das auch ständig am Wochenende.  Er hat seine Werkstatt aber bei uns auf dem Grundstück. Er ist also nicht weit weg von uns. Sein Arbeiten bringt aber auch drei große Vorteile:

·      Wir hängen uns nicht ständig auf der Pelle rum und schaffen damit noch mehr Reibungspunkte

·      Die Laune meines Mannes wird besser, wenn er seine Aufträge erledigt hat. Er hat den Kopf wieder etwas freier.

·      Er verdient das Geld für unseren Lebensunterhalt. Wir können unsere Rechnungen bezahlen und leben deutlich entspannter

 

Mit den Kindern habe ich ihre Spielecke und das Wohnzimmer (welches auch als Spielzimmer genutzt wird) aufgeräumt. Bei der Fünfjährigen kam das natürlich nicht so gut an. Aber sie ist in einem Alter in dem sie das Aufräumen wirklich lernen muss. Im Kindergarten klappt das wohl schon ganz gut, also wird es höchste Zeit, es auch zu Hause zu lernen. Der Zweijährige machte uns so manches Mal ein Strich durch die Rechnung. Neulich las ich einen Post der das sehr gut trifft:

Aufräumen, wenn die Kinder zu Hause sind, das ist wie mit Nutella Zähne putzen

 

Nun ja, irgendwie klappte es doch. Ich bin ja jetzt auch nicht so pingelig.

 

Nach einer kurzen Mittagspause ging die Große mit ihrer Freundin zu ihrem Pony rüber. Da kann sie übrigens die Pferdeäpfel aus dem Stall holen und den Stall fegen. Aber zu Hause ist Aufräumen ja was Anderes. Sie liebt Pferde über alles, da geht ihr Herz auf. Als sie dann mit rotgefrorener Nase wieder vor mir stand war sie ausgeglichen und munter. Nein, kalt war ihr überhaupt nicht.

Während die Große bei den Ponys war, spielte ich mit dem Kleinen. Der ist inzwischen ein richtiger Raufbold geworden. Zimperlich ist der nicht. Zum Schluss juchte er vor Freude, weil ich ihn auskitzelte. Kaum lies ich von ihm ab, brüllte er: „Nomal“ Kein Problem. Wir beide kamen mächtig ins Schwitzen.

 

Danach trotzten wir der Kälte und gingen spazieren. Mit Mann und Hund. Die frische Luft, tat uns einfach nur gut, man muss nur erst den inneren Schweinehund überwinden. Die Kinder waren gut und warm angezogen. Nur ich fror. Aber ich friere schon bei weniger als 20°C Außentemperatur.  Nach einem kleinen Spaziergang durchs Dorf, war unser Ziel der Spielplatz. Die Kinder tobten sich richtig aus. Nach kurzer Zeit kam noch ein befreundetes Paar mit ihren beiden Kindern dazu. Sehr, sehr schön mit anzusehen, wie die Kinder spielten. Wir Erwachsenen tauschten noch den neuesten Klatsch und Tratsch aus. Aber auch da gab es nichts Neues. Nach einer dreiviertel Stunde hatten die Kinder sich ausgetobt. Es wurde dunkel, ab nach Hause.

Am Wochenende bleibt meine Küche meistens kalt. Unsere Pinnwand hängt voll mit etlichen Speisekarten vom Pizza, Gyros oder Currywurst-Mann. Was darf es denn heute sein? Der Kleine brüllte gleich nach „Bommes“, die Große wollte aber unbedingt Spaghetti Carbonara, mir war es egal, Papa wollte Pizza. Also erhielt der Pizzadienst den Zuschlag. Der hat auch Bommes für den Kleinen im Angebot. Aber er aß auch gerne von meiner Pizza mit.

Nach dem Essen steckten wir beide Kinder in die Badewanne. Beide sind glücklicherweise noch in dem Alter in dem sie gerne zusammen baden, mal schauen, wie lange das noch gut geht. Wie schön, dass das warme Wasser die Kinder so müde machte. Oder war es die Schaumschlacht? Egal Hauptsache müde. Die Kinder schliefen ruckizucki ein. Was für eine Ruhe im Haus.

Jetzt begann mein Wohlfühl-Programm vom Wochenende. Endlich hatte ich Zeit und Muße mich an meinen heißgeliebten PC zu setzen. Und dies hier zu Schreiben.  Aber erstmal kurz auf Facebook vorbeischauen. Was gibt es Neues? Auch hier nicht viel. Die Trump-Sache macht mir echt Sorgen. Und die Sarah und Pietro-Story geht mir mächtig auf die Nerven.

Ich schloss Facebook und beginne diesen Text zu schreiben. Ich merke, ich werde ruhiger. Ich entspanne mich dabei, wie ich den Tag Revue passieren lasse.

Wir haben einen ganz normalen Tag verlebt, wie es Millionen andere auch tun. Manche mögen sagen:

 

„Nichts Spektakuläres!“

                                                           „Ein ganz normaler Tag!“

                                                                                   „Warum schreibst du da drüber?“

            „War doch total langweilig!“

 

 

Stimmt es war ein ganz normaler Tag! Es war ein ganz normaler Tag mit der Familie, als Familie. Jeder kam auf seine Kosten. Wir haben gelacht und geweint, gefroren und geschwitzt, gearbeitet und relaxt. Es war alles dabei. Und wenn man den Tag mit seinen Liebsten verbringen darf, dann kann es nur ein guter Tag gewesen sein.

 

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Es ist Zeit einfach mal DANKE zu sagen

Liebes Kindergarten-Team

Ihr macht wirklich einen tollen Job. Natürlich werdet ihr dafür bezahlt, aber ihr gebt den Kindern so vieles, das man nicht mit Geld bezahlen kann. Klar ihr habt euren Schutzauftrag und eure Konzeption an die ihr euch haltet. Aber die Liebe, Fürsorge und Nähe die steht in keiner Konzeption, die kommt von Herzen.

Jeden Tag geben wir unsere Kinder in eure Hände. Vertrauen gegen Vertrauen. Ihr helft uns Eltern dabei, dass unsere Kinder sich gut entwickeln und optimal auf die Schule vorbereitet werden.

Und deshalb wird es endlich einmal Zeit DANKE zu sagen.

 

DANKE für die Liebe und Geborgenheit die ihr den Kindern gebt.

DANKE für die Nähe und Wärme. Es ist sehr schwierig diese Nähe überhaupt zu zulassen. Von beiden Seiten versteht sich.

DANKE für das Verständnis für all die kleinen und großen Macken.

DANKE für jedes zuhören. Und Danke für jedes Ernst nehmen der Sorgen und Nöte eines jeden einzelnen.

DANKE für jedes „einfach nur mal in den Arm nehmen“

DANKE, dass ihr den Kindergarten zum „Kindergarten der Kinder“ gemacht habt. Der Kindergarten ist fast zu einem zweiten zu Hause für die Kinder geworden.

DANKE für jedes trösten, pusten und kuscheln, wenn es mal etwas ruppiger wurde.

DANKE für jedes Nase putzen, Schuhe zubinden und Hose hochziehen

DANKE für das Ernst nehmen der meist schweren Verletzungen.

DANKE für jedes Lied, jeden Reim, jede Geschichte die ihr unseren Kindern beigebracht habt. So haben wir zu Hause auch viel davon.

DANKE für das zum X-ten Male Vorlesen der Lieblingsgeschichte. Auch gerne schon mal morgens um 08.00 Uhr.

DANKE für den schönen Geburtstag im Kindergarten. Und wird der Geburtstag mal nachgefeiert, ist es wie zweimal im Jahr Geburtstag haben.

DANKE, dass die Kinder so viel basteln, malen, kleben können. Und dass wir diese Kunstwerke mit nach Hause bekommen. Die Weihnachtskrippe stand bis Ostern bei uns im Wohnzimmer.

DANKE für die Sportstunden. Da können die Kinder so richtig Energie abbauen.

DANKE, dass die Kinder so oft an der frischen Luft sind. Sobald es das Wetter zulässt.

DANKE für jede noch so kurze Information an uns Eltern. Es ist schön zu wissen, wie das Kind den Tag im Kindergarten verbracht hat.

………………..

Und abschließend VIELEN DANK, das ihr nicht alles glaubt und weiter erzählt was euch die Kinder über Mama und Papa erzählen.

Vertrauen gegen Vertrauen

 

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Die Trotzphase

Ich habe früher Kinder im Supermarkt erlebt, die sich schreiend auf den Boden geworfen haben. Voller Mitleid schaute ich mir die Eltern an. Ich war mir sicher, wenn ich mal eigene Kinder hätte, bei mir wäre das nicht so. Es kam ganz anders.

Ich glaubte, dass da irgendetwas mit den Kindern nicht in Ordnung sein müsste. Oder mit den Eltern.  Nein, ist nicht so.

Den meisten Eltern war diese Situation einfach nur wahnsinnig peinlich. Mit hochroten Kopf versuchten sie diese Situation irgendwie zu retten. Und dem Kind doch noch den Lutscher zu kaufen, den es unbedingt haben wollte.

Andere ließen ihre Kinder erstmal im Gang schreien. Taten so, als ob gar nichts geschehen ist. Einige bezahlten in aller Seelen Ruhe und verließen sogar den Laden. Ich fand das unglaublich herzlos.

Heute weiß ich, dass das genau der richtige Weg war.

Heute weiß ich das.

Heute beneide ich diese Eltern für ihre Ruhe und ihre Kraft das genauso durchzuziehen.

Ich weiß, dass ich diese Kraft nicht gehabt hätte.

 

Die Trotzphase unserer Tochter fing an, als sie ungefähr drei Jahre alt war. Damals ahnte ich noch nicht, was da auf uns zukam. Man konnte ihr nichts recht machen. Plötzlich und aus heiterem Himmel machte sie ein riesen Ding aus einer Kleinigkeit. Sie steigerte sich in alles so wahnsinnig hinein. Sie machte sprichwörtlich aus einer kleinen Maus einen riesen Elefanten. Dieser kleine Terror-Zwerg konnte so laut schreien und dickste Tränen heulen, das war unglaublich.

Ich könnte bestimmt 300 Gründe aufschreiben, die beim Terror-Zwerg das Fass zum überlaufen brachten. Hier einige der fatalsten Fehler, die wir beim Schmieren eines Butterbrotes machen konnten:

 

·       Wir hatten das Brot falsch geschmiert

·       Wir hatten das falsche Brot genommen

·       Mit dem falschen Messer geschmiert

·       Auf dem falschen Teller oder Brettchen serviert

·       Mit zu viel oder zu wenig Margarine

·       An der falschen Ecke eingeschnitten

·       Zu große Stücke geschnitten

·       Zu kleine Stücke geschnitten

·       Ich habe falsch dabei geguckt

·       Der Papa hat falsch geguckt

……die schlimmsten Fehler die wir beim Schneiden eines Apfels machen konnten

·       Die Stücke wurden zu groß geschnitten

·       Die Stücke wurden zu klein geschnitten

·       Die Stücke wurden zu kantig geschnitten

·       Die Stücke wurden zu rund geschnitten

·       Der Apfel ist rot und nicht grün gewesen

·       Es war noch ein Fitzelchen Schale am Apfel dran

·       Der Apfel hatte innen Kerne drin

 

Das schlimmste Erlebnis hatte ich im Kindergarten meiner Tochter: Ich holte sie wie immer ab. Sie war müde vom vielen Spielen und Toben. Wir gingen an ihre Garderobe, zogen ihre Hausschuhe aus, und ich zog ihr die Jacke über. Als ich ihre kleinen Finger durch die engen Ärmel ihres Anoraks zog, fragte sie:

„Wo ist meine Nuss?“

Ich: „Was für eine Nuss?“

Nach kurzem Suchen fanden wir eine Nuss im Ärmel. Ich war heilfroh.

„Mama, die zweite Nuss fehlt. Die hat Andreas mir geschenkt“

Das Heuldrama nahm seinen Lauf. Wir suchten nach dieser verdammten Nuss. Die Erzieherinnen wurden auch schon auf uns aufmerksam. Zum Schluss lagen zwei Erzieherinnen und ich auf dem Boden und suchten nach dieser Nuss. Sie war nicht auffindbar. Eine Erzieherin machte einen Vorschlag ihr eine andere Nuss zu holen. Nein, nichts möglich. Meine Tochter weinte und schrie seeeeehr laut. Es blieb mir nichts anderes übrig, als meine Tochter auf den Arm zu nehmen und sie schreiend, heulend, trampelnd, und hauend aus dem Kindergarten zu tragen. Wenn wir bis dahin noch nicht die volle Aufmerksamkeit der anderen Mütter hatten, ab da war sie uns gewiss. Der Terror ging im Auto und zu Hause weiter, bis sie erschöpft einschlief. Als sie dann nach drei Stunden Mittagschlaf aufwachte, hatte ich meinen zauberhaften Engel wieder, als wäre gar nichts gewesen. 

Ich war komplett mit diesen Situationen überfordert. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Am Anfang habe ich in meiner Hilflosigkeit erstmal geweint. Nach und nach wird man gelassener und hält diese Wutausbrüche denn nur einfach noch aus. Aber das ist ein sehr langer Weg dahin. Ich habe viel im Internet darüber gelesen. Gut zu wissen, dass ich nicht allein war. Und gut zu wissen, dass ganz banale Dinge einen riesen Trotzanfall auslösen können. Danke, an alle anderen Eltern für die Offenheit.

Nun ja, es soll ja sogar gut sein, dass die Kinder eine Trotzphase durchmachen. Es soll ihr Selbstbewusstsein und ihre Durchsetzungskraft stärken.

Ich begann diese Trotzanfälle in einem ganz anderen Licht zu sehen. Für meine Tochter war diese verloren Nuss genau jetzt der absolute Weltuntergang. Sie war in diesem Alter einfach komplett mit sich selber überfordert und dann fehlt halt nur noch der eine Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt. Dieser kleine Zwerg konnte nur so seine ganzen Gefühle rauslassen.

Wir sind dann auch ganz anders mit diesen Anfällen umgegangen. Wir haben nicht mehr gefragt: „Was ist denn jetzt dein Problem?“

Mal haben wir haben sie komplett ignoriert und schreien lassen. Vielen Dank, dass das nie im Supermarkt passiert ist.

Wir haben sie einfach nur in den Arm genommen und ihr gesagt, dass wir sie verstehen. Was gar nicht so einfach war, wenn der Auslöser Nachbars Hund war, der sie blöd angeguckt hatte.

Dann haben wir versucht sie mit banalen Dingen abzulenken, bevor der Trotzanfall richtig begann. „Ist da gerade ein Pferd am Fenster vorbeigeritten? Komm wir gehen mal raus und schauen nach.“

Wir haben aufgehört unsere Tochter voll zu texten. Okay, sie hatte mal wieder einen Anfall, aber wir reden da nicht mehr drüber, das hat sie nur noch mehr gequält.

Und wenn unsere Tochter abends im Bett war, haben mein Mann und ich herzhaft über ihre Ausraster gelacht. Das war unsere Art damit umzugehen.

Hätte ich vorher mehr über den Umgang mit der Trotzphase gewusst, wäre uns so einiges erspart geblieben. Ich hätte einige Male ganz anders reagieren können. Das wäre für beide Seiten entspannter gewesen.

Inzwischen haben wir die Trotzphase, bis auf ein paar kleinere Rückfälle, hinter uns gebracht. Es wäre ja auch viel zu langweilig, wenn immer alles glatt laufen würde.