Veröffentlicht in Allgemein

Abenteuer Schwangerschaft

 

Im Dezember stellte er die entscheidende Frage. Die Frage aller Fragen. Okay, es war jetzt nicht so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich sage mal so viel, es waren kein Schimmel und keine Rosenblätter im Spiel. Trotzdem sagte ich sofort ja.

Da ich auch schon über 30 war, tickte meine biologische Uhr immer lauter. Kinder, ja da waren wir uns sicher, die wollten wir auf alle Fälle. Ich setzte die Pille ab und das Abenteuer Schwangerschaft begann.

Ich las mich im erstmal Internet schlau. Aha, fruchtbare Tage auf die kommt es an. Ich hatte all dieses, vor lange Zeit in meiner Ausbildung gelernt, aber wieder vergessen. Was es alles im Internet gibt. Man kann sich seine fruchtbaren Tage für den jeweiligen Monat ausrechnen lassen. Wie praktisch. Ich druckte mir erstmal die nächsten drei Monate aus. Wie lange dauert es eigentlich bis man schwanger wird? Da musste ich doch mal wieder das Internet befragen. So richtig schlau machte mich das auch nicht. Kann sofort klappen oder ewig dauern, oder es klappt gar nicht. Gut, nicht verrückt machen lassen. Aber ich nehme auf alle Fälle schon mal diese Folsäure ein. Kann man nie früh genug mit anfangen und schaden tun die ja auch nicht.

Erster Monat: Nix. Hatte mir eingebildet, dass es schnell klappen würde. 

Zweiter Monat: Mir ist so schlecht. War eine Magen-Darm-Grippe.

Dritter, Vierter und Fünfter Monat: Nix.

Sechster Monat: Jetzt fand unsere Hochzeit statt.  Nee, da machte ich mir keine Illusionen. Da sind wir eh total im Vorbereitungsstress. Das klappt nicht. Und siehe da: 14 Tage nach der Hochzeit, bin ich ein paar Tage drüber und wir machen den Test zusammen. Bingo!!! Schwanger!!!!

Und jetzt? Damit hatte ich ja gar nicht gerechnet, irgendwie kommt das jetzt überraschend. Okay, Nerven zusammennehmen.

Was liegt an? Was muss ich jetzt als erstes machen?

Als erstes einen Termin beim Frauenarzt ausmachen. Nur das „fleißige“ Bienchen am Telefon war unbeeindruckt davon, dass ich schwanger war und gab mir erst einen Termin in 14 Tagen!!!! Danke. Was sollte ich bis dahin machen? Wir hatten auch noch Urlaub und ziemlich viel Zeit. Es dauerte ewig, bis der Tag endlich da war. Nervös saß ich im Wartezimmer meines Frauenarztes. Meinen Mann hatte ich vorsichtshalber in den Media-Markt geschickt. Erstens sitzt er nicht so gerne im Wartezimmer eines Frauenarztes und zweitens hätte er mich nur noch nervöser gemacht.

Meinem Frauenarzt erklärte ich, dass ich jetzt schon ewige Zeiten überfällig wäre und mein Schwangerschafts-Test positiv ausgefallen sei.  Er grinste nur und meinte, dann sollten wir wohl mal einen Ultraschall machen. Er grinste nochmal währenddessen und gab mir das erste Foto meines Kindes.

Stolz halte ich dann meinem Mann das Ultraschallbild unter die Nase. Man konnte zwar nur einen undefinierbaren schwarzen Fleck erkennen, aber für uns war es das pure Glück.

Bei näherer Betrachtung bildete mein Mann sich ein, dass er zwei kleine Ärmchen sah. Ich hielt ihm das Bild richtig herum hin und er konnte angeblich zwei kleine Beinchen sehen. Ja nee is klar. Man wird auch so kitschig, wenn man diese Bildchen sieht. Da kann man sich gar nicht vorstellen, dass da ein kleiner Mensch in einem heranwächst. 

Es lag noch ein langer Weg vor uns. Ich war ja gerade mal in der sechsten Woche. Die ersten 12 Wochen sind die gefährlichsten. Die Gefahr einer Fehlgeburt am höchsten. Aber meinen Arbeitgeber musste ich informieren. Da ich in einem Krankenhaus arbeitete, war das wegen der Ansteckungsgefahr unumgänglich. Ich durfte kein Blut mehr abnehmen. Danach wusste es die ganze Klinik.

Die Übelkeit hatte mich voll im Griff. Ich verabschiedete mich für ganze vier Wochen von der Arbeit. Übrigens Morgenübelkeit ist nicht der richtige Ausdruck. Bei mir war das eher eine Ganztagsübelkeit die auch über Nacht blieb und beim Zähneputzen und üblen Gerüchen sofort Brechreiz auslöste.

Nichts half mir. Keine Tabletten, keine Infusionen. Ich sollte viel liegen und mich ausruhen. Zu mehr war ich auch nicht in der Lage. Die Toilette wurde zu meinem besten Freund. Der einzigen, der das so richtig gefiel, war unsere Hündin. Ich war den ganzen zu Hause und sie lag schnarchend neben dem Sofa. Ich meist leise schnarchend oder lesend auf dem Sofa.

Als die Übelkeit in Woche 13 nachließ, machte ich drei Kreuze. Jetzt konnten wir auch langsam von unserem Geheimnis erzählen. Aber meine tolle Schwiegermutter, die wir vorher eingeweiht hatten, hatte schon die Neuigkeiten verbreitet. Obwohl wir sie gebeten hatten, nichts zu erzählen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte sie es gar nicht erfahren. Aber sie ist nun mal die Mutter meines Mannes……. Nun ja, das ist ein anderes Thema.

 

So langsam sah man mir dann auch die Schwangerschaft an. Ich wurde runder. Ich liebte es Schwangerschaftssachen zu kaufen. Es war so schön. Natürlich kaufte ich auch schon ein paar Babysachen. Da konnte ich mich wirklich nicht zurückhalten. Ich sage nur so viel, es war ziemlich viel rosa dabei. 

 

Das Arbeiten fiel mir immer schwerer. Immer wieder bekam ich in Stresssituationen Bauchschmerzen. Und das meist schon am frühen Morgen.

In der 20. SSW war es besonders schlimm. Als ich zum Arzt ging, stellte er vorzeitige Wehen fest.  Er schrieb mich sofort krank. Ab jetzt war nur noch Schongang angesagt. Stress vermeiden, viel Schlafen und es sich gut gehen lassen. Ich nahm dann mal vorsichtshalber Kontakt zu meiner Hebamme auf. Sie kam auch gleich am nächsten Tag vorbei. Sie hat viele gute Tipps und kleine Mittelchen für mich und ich sah die ganze Sache schon etwas entspannter. Sie beruhigte mich ungemein. Das half mir sehr. Danke nochmals, Kerstin.

Sechs Wochen später bekam ich ein Beschäftigungsverbot. Es hatte auch keinen Sinn, nochmal in die Klinik zurückzukehren.

Die weitere Schwangerschaft war ein ständiges Auf und Ab. Körperlich ging es mir gut. Der Bauch wuchs weiter. Ich fühlte mich gut. Mein Frauenarzt kontrollierte mich engmaschig. Immer mal wieder waren „Aussetzer“ im CTG. Dann war wieder alles in Ordnung. Aber das Baby entwickelte sich gut und das war die Hauptsache.

Der Bauch wuchs immer weiter. Brav ging ich zum Geburtsvorbereitungskurs meiner Hebamme. Ich erfuhr Dinge, die ich gar nicht so genau wissen wollte. Oje, die Geburt kann aber heftig werden, wurde mir so langsam klar. Gut irgendwie schaffe ich das auch. Haben vor mir ja auch schon ein paar Leute geschafft.

Ich erreichte die 40. SSW. Es war echt mühsam. Meine Füße konnte ich schon lange nicht mehr sehen. Stand ich auf der Waage, musste ich meinen Mann rufen, damit er mir sagte, wieviel ich wog. Ich war bereit, eigentlich schon seit vier Wochen. Ich wollte und konnte nicht mehr.

Am Morgen des errechneten Termins hatten wir einen Kontrolltermin beim Frauenarzt. Die ganze Nacht war schlecht, ich war zigmal zur Toilette gerannt. Mir war schlecht. Geschlafen hatte ich kaum. Ich war einfach nur fertig und bereit endlich mein Baby zu bekommen.  Der Frauenarzt aber meinte ich hätte keine Wehen. Alles gut, bis in 3 Tagen. Er machte noch Scherze, ich konnte irgendwie nicht drüber lachen.

Als wir wieder zu Hause waren tröpfelte meine Fruchtblase. Telefonat mit meiner Hebamme. Sie sagte, dass wir sofort in die Klinik fahren sollten.

Als wir in der Klinik ankommen war ich völlig fertig. Ich heulte nur noch. Eine unfreundliche Hebamme empfing uns. Ich konnte gar nicht sprechen. Mein Mann erklärt der Hebamme was war. Ihre schnippische Antwort:

„Sie bekommen, ein Baby, das ist doch kein Grund zum Weinen.“

Wieviel Fingerspitzengefühl diese Frau hatte, unglaublich. Wenn ich ihr noch einmal nichtschwanger begegnen würde, kriegte sie eine ans Maul, nehme ich mir damals vor. 

Wir kamen in den Kreißsaal zu einer freundlicheren Hebamme. Erstmal folgte die Routine, CTG, der Arzt wurde verständigt. Der übliche Ultraschall wurde gemacht.  Plötzlich ging alles ganz schnell, der Oberarzt kam dazu. Das CTG wäre nicht in Ordnung, das Baby zu klein und schwach. Irgendetwas stimmte mit ihrer Harnblase nicht. Sofortiger Kaiserschnitt. Wir willigten ein. Im OP empfing man mich freundlich. Ich war total überrumpelt. Ich wusste gar nicht was mit mir geschah. Meinem Mann ging es genauso. Das war das Gute dran, wir hatten kaum Zeit, Angst zu haben.

Während der Narkoseeinleitung ging mein Blutdruck plötzlich flöten. Der Anästhesist hatte aber alles im Griff. Er gab mir Sauerstoff über eine Maske, ich bekam Platzangst. Dass mein Mann inzwischen auch im OP angekommen war, hatte ich überhaupt nicht mitbekommen. Ich bat ihn, mich von dieser Maske zu befreien, aber er verstand kein Wort. Irgendwann hatte der Anästhesist Mitleid, und befreite ich. Ich stabilisierte mich und der Kaiserschnitt konnte beginnen. 

Während der OP fragte der Gynäkologe plötzlich: Was erwartet ihr denn? Ein Mädchen oder einen Jungen

Und ich ganz stolz: Ein Mädchen

Dann meinte er: „Und wenn ich da jetzt einen Jungen raushole, was ist dann?“

Oh, oh! Sah der gerade mehr? Er hatte ja jetzt den besten Blick.

Meine Antwort: „Dann muss da jemand verdammt lange rosa tragen“.

Der ganze OP lachte.

Das war der Moment, auf den der Gynäkologe gewartet hatte. Eine kleine Ablenkung für mich, damit ich das Rumpeln nicht so merkte. Unsere kleine Maus war geboren.

Der Gynäkologe ganz trocken: „Nee, ist schon ein Mädchen.“

Sie kam sofort zur Kinderärztin. Schneller Check. Alles gut. Unser Mädchen war putzmunter und kerngesund. Wir waren sehr erleichtert. Und so glücklich. Selbst meinem Mann kamen die Tränen. Das hatte ich bei ihm noch nie gesehen.

Dann sah ich sie ganz kurz. Meine Tochter. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Es folgte wieder die Routine. Ich wurde zugenäht, mein Mann war die ganze Zeit bei unserer Tochter, das beruhigte mich.

Nach schier endlosen Minuten des Wartens kam ich in den Kreißsaal zurück, wo mein Mann, meine Tochter und die Hebamme schon auf mich warteten, Ich war so komplett fertig, die Hebamme stellte die Kleine im Wärmebettchen an mein Bett ran. Jetzt konnten wir uns richtig beschnuppern. Eine ganz wertvolle, intensive Zeit. Mein Mann machte einige Fotos davon, die schaue ich mir immer noch sehr gerne an. Die Hebamme gab uns viel Zeit, das war sehr wichtig.

Wir sind so froh und dankbar, dass unsere Tochter gesund auf die Welt gekommen ist, dass alles nur falscher Alarm gewesen ist. Aber wir haben auch verdammt viel Glück gehabt, dass alles zum Guten verlaufen ist.

 

Die ersten Wochen mit Kind waren sehr turbulent, und für uns stand schnell fest: Es bleibt beim Einzelkind.

Diese Unsicherheit, ob man alles richtig macht. Die „gut gemeinten“ Ratschläge von allen Seiten, um die wir gar nicht gebeten hatten. Diese Phase machen wohl alle Jung-Eltern durch.

Dazu kam der Schlafentzug, der ganz andere Tagesrhythmus das setzte uns sehr zu.

Aber unsere Tochter gab uns so viel Liebe, Wärme und Glück zurück. So stolz können nur Eltern sein.

 

 

Lest auch. Meine zweite Schwangerschaft. Egal was es wird, Hauptsache gesund.

 

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade von Nicht noch ein Frauenblog. Vielen Dank das ich dabei sein darf

Autor:

Ich lebe mit meinem Mann und den beiden Kindern (5 und 2 Jahre) auf dem platten Land, kurz vor dem Moor (echt jetzt) in Niedersachsen. Zu unserer Familie gehören noch unser Hund Charlie und unsere Ersatz-Großeltern.

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