Veröffentlicht in Allgemein, Danke, Kinder

Der Traumfänger

 

Stolz zeigte mir meine Tochter heute ihren selbstgebastelten Traumfänger. Schön war er. Aus Ästen, bunt, mit Federn, Kugeln und viel Schnickschnack.

Aber die Bedeutung des Traumfängers stimmte mich nachdenklich. Meine Tochter erklärte mir: Der Traumfänger soll die schönen Träume anlocken und die bösen fernhalten.

Bei den Indianern glaubt man, dass der Traumfänger die guten Träume zu dem Schlafenden durchlässt und die schlechten gefangen hält, die dann durch die Morgensonne neutralisiert werden.

Allein die Idee ist schon grandios. Und wenn das schon bei den Indianern geklappt hat, warum denn nicht bei uns?

Ich hätte gerne einen Traumfänger, der bei Menschen funktioniert. Die guten Menschen soll er anlocken, die bösen soll er fernhalten. Vor allem dieses Neutralisieren der Bösen wäre einfach genial.

Wenn das jemand erfinden könnte, wäre klasse. Dieses Ding hätte mir in der Vergangenheit sehr viele Enttäuschungen erspart und wäre für die Zukunft bestimmt sehr hilfreich.

 

Aber wen soll der Traumfänger denn anlocken?

 

·       Meine Tochter: Mein Sonnenschein, auch wenn du mir so manches Mal mit deinen großen und kleinen Macken den letzten Nerv raubst und deine Grenzen weit austestest. Ich liebe dich trotzdem noch jeden Tag mehr. Ich schaue dich stolz an, wenn du schläfst und genieße die Ruhe. Ich beobachte dich, wenn du dich unbeobachtet fühlst. Ich streichele dich sanft und ziehe deine Bettdecke noch etwas höher, damit du nicht frierst. Ich kann mein Glück so manches Mal kaum fassen. Und du hast so einen feinen Charakter. Dein Gerechtigkeitssinn, dein Dickkopf und dein Durchsetzungsvermögen sind sehr ausgeprägt. Deine Schönheit haut mich öfters einfach nur so um. Du hast die wunderschönsten Augen, die längsten Wimpern und das unwiderstehlichste Lächeln dieser Welt. Ich bin so stolz auf dich. Gehe weiter so stark voran in deinem Leben. Ich bin bei dir und werde dich immer unterstützen. Bis ans Ende der Welt

 

·       Mein Sohn: Du bist noch so klein. Aber von unserer ersten gemeinsamen Sekunde an, unser absoluter Sonnenschein. Als du mit sechs Monaten wegen eines gefährlichen Virus in die Kinderklinik musstest, bin ich vor Angst um dich fast gestorben. Stundenlang, tagelang habe ich an deinem Bettchen gestanden und dich angesehen. Habe auf diesen ständig piependen Monitor geschaut. Noch nie im Leben habe ich so viel Angst gehabt. Umso schöner ist das du dich sehr gut davon erholt hast. Ich beobachte dich stolz, wie du groß und stark wirst. Jedes neue Wort, jedes erste Mal ist so wunderbar und einzigartig. Ich kann mich gar nicht an dir satt sehen. Nachts höre ich permanent auf deine Atmung, automatisch geht meine Hand in Richtung deiner Stirn. Jeder Infekt wirft uns wieder zurück. Aber wir schaffen das gemeinsam. Du riechst und schmeckst so gut, da kann keine Schokolade der Welt mithalten. Manchmal überfalle ich dich einfach so mit meinen Kuscheleinheiten. Das gefällt dir eigentlich gar nicht. Dafür überhäufst du mich dann mit deinen, zugegebenermaßen doch sehr feuchten Küssen. Nie habe ich einen tolleren jungen Mann geküsst als dich. Gehe weiter so. Geh voran. Schritt für Schritt. Ich bin bei dir und werde dich immer unterstützen. Bis ans Ende der Welt.

 

·      Mein Mann: Schatz, ich habe dich ja nicht einfach nur so geheiratet, sondern weil ich dich liebe. Und unsere beiden Kinder sind ja auch nicht einfach so ungeplant auf die Welt gekommen, sondern weil wir das gemeinsam geplant haben. Deshalb verzeih mir bitte, wenn ich so manches Mal ungerecht zu dir bin. Und aus einer kleinen Mücke einen riesigen Elefanten mache. Manchmal brauche ich das wohl. Manchmal weiß ich noch nicht einmal mehr worum es eigentlich ging. Und wenn mein Temperament mal wieder mit mir durchgeht, dann verzeihe mir auch das. Wir brauchten eh wieder neue Teller. Wir haben schon so viel gemeinsam durchgestanden. Mann, was haben wir aber auch schon für einen Mist mitmachen müssen. Und genau deshalb, weil wir das zusammen gemacht haben, ist es gut ausgegangen. Allerdings verzeihe ich dir ja auch so einiges. Deine schludrige Art, dein Desinteresse für Dinge die ich mag, dann dein unschuldiges Lächeln, und, und, und. Ich liebe Dich trotzdem, oder genau deswegen. Und manchmal hast du es aber auch verdient. Kussi.

 

·      Meine Waltraud: Eigentlich sind wir ja nur Nachbarinnen. Aber du und auch dein Mann sind viel, viel mehr für uns und unsere Kinder. Du hilfst uns, wie eine Mutter oder Schwiegermutter. Du passt auf die Kinder auf, wenn es bei uns eng wird. Du backst zu Weihnachten Kekse mit den Kindern. Du schiebst auch gerne mit den Kindern mal eine Runde um den Pudding und ein Plausch mit den anderen Nachbarn ist auch noch mit drin. Du genießt es sogar. Du bist unser Retter in der Not. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mir den Knöchel gebrochen hatte. Der Kleine war gerade mal vier Monate alt und es war zwei Tage vor Heiligabend. Und trotzdem warst du für uns da. Unerschrocken bändigst du immer wieder meine beiden Rabauken. Und immer hast du noch eine „Kleinigkeit“ für uns: mal eine Suppe, dann eine Torte, die Kürbisse, das Gemüse und Obst, etc.

 

Danke dass es euch für uns gibt.

 

Eigentlich könnte ich hier noch so einige Menschen aufführen, die Neutralisiert werden müssten. Hatte ich auch eigentlich vor. Die Schwiegermutter, die Schwägerin, der Ex, die Ex-beste Freundin. Die Liste wäre aber zu lang geworden. Diese Leute gehören, mit Recht, nicht mehr zu meinem Leben und haben in diesem Text auch nichts mehr zu suchen.

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Autor:

Ich lebe mit meinem Mann und den beiden Kindern (5 und 2 Jahre) auf dem platten Land, kurz vor dem Moor (echt jetzt) in Niedersachsen. Zu unserer Familie gehören noch unser Hund Charlie und unsere Ersatz-Großeltern.

Ein Kommentar zu „Der Traumfänger

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