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Meine Hebamme ist für mich so wichtig gewesen

 

 

 

Dieser Artikelwurde auch auf 1-2-familiy.de veröffentlicht. Ich durfte dort als Gastautorin wertvolle Erfahrungen sammeln. Das war sehr wichtig für mich. Vielen Dank dafür

 

Das meine Hebamme für mich und meine beiden Kinder einmal so wichtig werden würde, hätte ich nie gedacht. Sie arbeiten nicht nur im Kreißsaal und helfen bei der Geburt. Meine Hebamme war vor allem auch eine psychische Stütze für mich.

Hier ist meine Geschichte

Als ich von meiner ersten Schwangerschaft erfuhr, war ich obwohl die Schwangerschaft geplant war, ziemlich überrumpelt. Wie hat es jetzt doch geklappt? Und nun, was muss ich denn jetzt machen?

Im Internet las ich immer wieder, man sollte sich schon früh eine Hebamme suchen und zu einem Geburtsvorbereitungskurs anmelden. Ich meldete ich also brav bei der Hebamme in meiner Nähe für diesen Kurs an.

Nee, bin ja nur schwanger und nicht krank

Bei dem sehr netten Telefonat merkte ich gleich, das wir auf einer Wellenlänge lagen. Als sie mich dann fragte, ob ich Probleme hätte und ob sie vorbeikommen sollte, lachte ich leise und sagte: „Nee, alles gut. Bin ja nur schwanger und nicht krank!

Ich ahnte nicht, dass sich das ein paar Wochen später ändern würde.

In der 20 SSW bekam ich vorzeitige Wehen. Nichts ging mehr. Ich durfte nicht mehr arbeiten, sollte viel liegen. Mein Frauenarzt machte mir große Angst. Ich sah immer nur die Bilder von Frühchen vor mir, die in ihren Brutkästen lagen und hart um ihr Leben kämpfen mussten. Diese dünne Haut, die durchscheinenden Gefäße. Ich war panisch und hatte große Angst um unser Baby. 20 SSW, da ist das Baby noch nicht lebensfähig.  Ich weinte viel.

 

Sie beruhigte mich mit wenigen Worten

Ich rief meine Hebamme an, sie kam sofort. Wir lernten uns zwar jetzt erst persönlich kennen, aber sie bemerkte sofort meine Verunsicherung. Sie beruhigte mich mit wenigen Worten. Auch so ein Talent, was nur wenige Menschen besitzen. Alles halb so schlimm, die Frauenärzte machten es immer sehr dramatisch, damit die Frauen sich auch wirklich schonen würden.

Neben den beruhigenden Worten, gab es noch unheimlich viele Tipps und Tricks. Und ein tolles homöopathisches Pulver, das die vorzeitigen Wehen wieder verschwinden lassen sollte. Nach diesem Gespräch war ich wieder in der Spur. Ich war beruhigt. Ich schonte mich und die vorzeitigen Wehen verschwanden. Einmal weil ich wirklich viel gelegen habe und mich geschont habe und weil meine Hebamme sofort an meiner Seite war. Sie hat mich nicht als panische Schwangere abgetan, sie hat mich ernst genommen.

Endlich konnte ich meine weitere Schwangerschaft genießen. Der Bauch wurde runder. Viel Neues aber auch viel Erschreckendes gab es beim Geburtsvorbereitungskurs. Aber immer mit ganz viel Spaß bei der Sache.  Einige Dinge bleiben einfach in der Erinnerung und ich schmunzle alleine beim Gedanken an das laute Stöhnen üben. Und das Gesicht meines Mannes als er beim Vater-Mit-Bring-Tag die ganzen Bilder der Geburt sah. Dieser Blick von ihm, unbezahlbar.

Bis in drei Tagen…..

Am Tag des errechneten Termins saß ich bei meinem Frauenarzt, ich meinte ich hätte Wehen. Mir ging es schlecht, war ständig auf der Toilette, konnte nicht schlafen, war nur noch unruhig. Das CTG zeigte keine Wehen an, bis in drei Tagen. Auf Wiedersehen.

Auf dem Weg nach Hause ging es mir immer schlechter. Das ganze Wochenende sollte ich so aushalten? Ich nahm mir vor, zu Hause sofort meine Hebamme anzurufen. Dort angekommen tröpfelte es aus meiner Fruchtblase. Als ich sie anrief, schickte sie uns sofort in die Klinik.

Eineinhalb Stunden nach unserem Eintreffen in der Klinik, war unsere kleine Maus per Sofort-Kaiserschnitt geboren. Die Ärzte rieten uns wegen zu erwartenden Komplikationen zu diesem Kaiserschnitt, über den ich weiterhin sehr froh bin. Und nebenbei bemerkt, ich fühle mich als richtige Mutter.

 

Ich kam nicht so richtig in Gang

Die ersten Wochen mit Kind waren sehr anstrengend, auch da war meine Hebamme unersetzlich für mich. So manches Mal stand ich auf dem Schlauch, kam nicht so richtig in Gang und kapierte so manches erst beim fünften Mal. Meine Hebamme unterstützte mich großartig. Und ihre unmissverständlichen, klaren Ansagen kamen dann auch bei mir an. Und genau die, brauchte ich.

Der Rückbildungskurs war anstrengend und zäh, aber ich sah ein, das ich ihn auch wirklich brauchte.

Da meine Hebamme mich so super bei meiner ersten Schwangerschaft begleitet hatte, war sie bei Nummer 2 natürlich auch an meiner Seite.

Die Schwangerschaft verlief aber ganz anders. Viel ruhiger, weil ich ruhiger war.  Auch hatte ich meinen Frauenarzt gewechselt. Der braucht auch nicht viele Worte, hatte alles im Griff. Ich fühlte mich in guten Händen. Zum Screening schickte er mich zu einem Spezialisten, der machte Ultraschall, das war der absolute Wahnsinn.

Den Geburtsvorbereitungskurs, nahm ich als Zeit für mich mit. Da die Geburt unserer Tochter, ja nicht ganz komplikationslos verlaufen war, hatte ich mich schon früh für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden. Das gefiel ihr zwar nicht, aber ich setzte mich durch. Da waren wir das erste Mal nicht so ganz einer Meinung.

Die Nachsorge von ihr lief wieder gleich ab. Sie begleitete mich sehr gut. Ich war wieder ziemlich konfus, sie fing das auf. Hier und da ein paar klare Worte. Ich muss immer noch an die Situation denken, wo ich wirklich nichts gerafft habe. Ich hatte mich erkältet, hatte Halsweh.

Da sagte sie: „Dann mach dir bitte einen Schal um“.

Ich: „Den muss ich erst bügeln“.

Sie: Mach den Schal um, sofort, ohne ihn zu bügeln.

Ich band den Schal um. Was die wohl von mir gedacht hat? Ich möchte es nicht wissen.

 

Liebe Bundesregierung, seid ihr keine Mütter und Väter?

Abschließend kann ich nur sagen, das meine Hebamme für mich unheimlich wichtig gewesen ist. Und es für jede werdende Mutter ein Schlag ins Gesicht ist, wenn man sie alleine stehen lässt. Und es ist für jede Hebamme ein Tritt in den A…. ist, wenn die Bundesregierung nicht für diese Hebammen kämpft. Die Bundesregierung kann die Hebammen doch nicht alleine im Regen stehenlassen.  Die Beiträge für die Versicherungen gehen über das bezahlbare Maß hinaus. Die meisten Hebammen gehen mit ganz viel Herzblut und Engagement in ihren Beruf auf. Das kann man über die wenigsten Politiker behaupten.

 

Eure Nadine

 

P.S. Kerstin, vielen lieben Dank für ALLES !!!

 

Veröffentlicht in Allgemein, Risikoschwangerschaft, Schwangerschaft, Verunsicherung

Schwanger und über 35?

Schwanger und über 35?

Hier ist ihr Stempel -Spätgebärende-

Bitte holen Sie sich ihre Verunsicherung ab!

 

 

Wir hatten letztens abends diese nette Diskussion in einer Facebook-Gruppe. Wie alt ward ihr bei euren ersten Kind? Gibt es hier jemanden der sein erstes Kind bekommen hat und dabei über 45 Jahre alt war?

Ich antwortete: Beim ersten 35 und beim zweiten 39

Daraus ergab sich eine freundliche Diskussion mit ein paar Teilnehmerinnen, die fast alle so wie ich eine Spätgebärende waren.

 

Ich fand es in meiner ersten Schwangerschaft (da war ich gerade 35 geworden) schon doof immer so bezeichnet zu werden. Und das Wort Risikoschwangerschaft schwirrte auch immer in meinem Kopf rum.

Ich habe mal bei Wikipedia geschaut, was da über Spätgebärende steht:

Als Spätgebärende werden im Allgemeinen Frauen benannt, welche zum Zeitpunkt der Geburt das klassische Schwangerschafts- und Gebäralter zwischen 18 und 30 Jahren deutlich überschreiten.

Wow, das sitzt. Das klassische Gebäralter! Es gibt also ein klassisches Gebäralter! Wer legt das denn fest? Und viel mehr, wie legt man das fest?

Dass man über 18 Jahre alt sein sollte, das sehe ich ja ein. Frau sollte volljährig sein und wissen was man tut. Wenn ich an meine Reife mit 18 erinnere, nein da war ich definitiv noch nicht reif genug für ein Kind. Aber das soll ja nicht das Thema sein.

Es geht vielmehr darum, wann man zu alt für ein Kind ist.  

Ich war gerade 35 geworden, wir hatten geheiratet, da wurde ich, geplant und gewünscht, schwanger. Für mich war das der perfekte Zeitpunkt. Ich hatte 18 Jahre meines Lebens gearbeitet, oft den falschen Mann kennengelernt und mir die Hörner abgestoßen. Deshalb war das für mich genau der richtige Zeitpunkt.

 

Da ich am Anfang unter extremer Übelkeit litt, war ich krankgeschrieben und las viel im Internet über Schwangerschaft und Babys. Natürlich verunsicherte mich auch jedes Mal die Wörter Spätgebärende und Risikoschwangerschaft. Mein Frauenarzt meinte auch, dass wir unbedingt einen Triple-Test machen sollten. Ich wäre ja nicht mehr die Jüngste (hat er wirklich gesagt). Und wir müssten uns über die Konsequenzen, die ein schlechtes Testergebnis bringen würde, klarwerden. Die Zeit die ich auf das Ergebnis warten musste war schwer. Mein Arzt ging beim nächsten Mal dann ungefähr zwei Sekunden auf das Ergebnis ein: „Ist völlig unauffällig“. Das war es. Versteht mich nicht falsch. Ich war natürlich dankbar für dieses Ergebnis, nur hatte ich mir doch so viele Gedanken gemacht. Was ist wenn ein schlechtes Ergebnis rauskommt? Was folgt dann? Weitere Abklärung? Eventuell sogar ein Abbruch? Schrecklich diese Gedanken! Später las ich über den Triple-Test, dass er doch eher sehr mit Vorsicht zu genießen sei und häufig schlechte Ergebnisse herauskämen, die völlig gesunde Babys hervorbrachten. Aber so ein bisschen behielt ich immer die Angst im Hinterkopf. Wir bekamen ein gesundes Mädchen.

 

Als ich dann das zweite Mal mit 38 schwanger wurde, war das auch der richtige Zeitpunkt. Die Schwester war zweieinhalb und genauso wollten wir es. Ich hatte meinen Frauenarzt gewechselt. Der neue ist und war sehr entspannt. Er hielt mich keinesfalls für zu alt. Der Ultraschall war von Anfang unauffällig. Und vom Triple-Test war er auch nicht überzeugt und inzwischen war der auch überholt. Er gab mir die Möglichkeit einen sehr kostspieligen Bluttest machen zu lassen. Wenn ich mich recht erinnere sollte der Test 800 Euro kosten. Aber mein Frauenarzt meinte, dass wir uns dieses Geld getrost sparen könnten. Wir machten den Test nicht. Beim Screening schickte er uns zu einem wahren Experten, weil er dort jede seiner Ü35 Patientinnen hinschickt. Der versicherte uns auch, nach einer tollen Untersuchung, das unser Kind gesund ist. Ich war entspannt.  Wir bekamen einen gesunden Jungen.

 

Ich finde jede Frau darf für sich selbst entscheiden wann der richtige Zeitpunkt für eine Schwangerschaft ist. Die Ärzte sollten sich nicht auf ihre Vorgaben versteifen und jede U-35-Mutti als Kandidatin für ein behindertes Kind einzustufen. Wir Frauen von über 35 heute sind anders und frischer als die Frauen vor 40 Jahren, oder noch länger her.

Auch sollte die Presse nicht über jede späte Mutter herfallen, als wäre sie die absolute Gebär-Sensation. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl hier und da, wäre nicht schlecht.

 

Mit diesem Beitrag nehmeich auch an der Blogparade Irgendwas abgespielt-Mama spricht Klartext teil. Vielen Dank!